KI-Strategie wird in vielen Unternehmen überschätzt.
Und gleichzeitig falsch verstanden.
Nicht, weil sie unwichtig ist.
Sondern weil sie zu komplex gedacht wird.
Wir sehen das regelmäßig in Gesprächen mit Geschäftsführer:innen, CTOs, CIOs, CMOs und CSOs. KI wird diskutiert in Form von Roadmaps, Zielbildern, Architekturdiagrammen und Tool-Stacks. Es wird geplant, priorisiert, verglichen. Und trotzdem bleibt am Ende oft ein diffuses Gefühl zurück: Wir tun viel – aber wir wissen nicht genau, wofür.
Das ist kein Einzelfall.
Es ist ein strukturelles Muster.
Denn viele Organisationen starten bei KI mit der falschen Frage. Nicht bei der strategischen Einordnung, sondern bei der Umsetzung. Nicht beim „Warum“, sondern beim „Wie“. Genau hier entsteht unnötige Komplexität – und genau hier verliert KI ihren strategischen Wert.
Unsere Erfahrung aus zahlreichen Projekten ist eindeutig:
KI-Strategie braucht kein kompliziertes Framework.
Sie braucht Klarheit.
Und diese Klarheit entsteht, wenn vier grundlegende Fragen sauber beantwortet sind.
KI ist längst im Unternehmen angekommen.
Im Marketing. Im Vertrieb. In der IT. In der Produktentwicklung.
Das zeigen auch die Ergebnisse unseres aktuellen Deep Research: In nahezu allen Organisationen gibt es bereits KI-Use-Cases – häufig dezentral, pragmatisch und ohne übergreifenden Rahmen.
Das Problem ist nicht fehlende Aktivität.
Das Problem ist fehlende Richtung.
Wenn KI nicht strategisch eingeordnet ist, entstehen typische Symptome:
Strategie wird dann mit Komplexität verwechselt. Dabei ist das Gegenteil der Fall.
Strategie reduziert.
Sie trifft bewusste Entscheidungen.
Und sie schafft Orientierung.
Die erste und wichtigste Frage jeder KI-Strategie lautet:
Welche Rolle soll KI für unser Geschäftsmodell spielen?
Diese Frage entscheidet alles, was danach kommt.
Und sie wird erstaunlich selten klar beantwortet.
In der Praxis sehen wir drei bewusst wählbare Rollenbilder:
Manche Unternehmen verstehen KI primär als Effizienztool.
Der Fokus liegt auf Automatisierung, Produktivitätsgewinnen und Kostensenkung. Prozesse sollen schneller, günstiger, robuster werden.
Andere positionieren KI als Differenzierungshebel.
Hier geht es um bessere Kundenerlebnisse, höhere Relevanz, präzisere Personalisierung, bessere Entscheidungen in Marketing und Vertrieb.
Wieder andere denken KI als Transformationsmotor.
Sie nutzen KI, um neue Geschäftsmodelle, neue Wertschöpfungslogiken oder neue Marktangebote zu entwickeln.
Keine dieser Antworten ist per se richtig oder falsch.
Aber jede führt zu völlig unterschiedlichen Entscheidungen.
Wer diese Rolle nicht explizit festlegt, bekommt am Ende von allem ein bisschen – und nichts davon richtig.
Die zweite strategische Frage knüpft direkt daran an:
Welche konkreten Unternehmensziele soll KI unterstützen – und bis wann?
KI entfaltet ihren Wert nicht durch ihre Existenz, sondern durch ihren Beitrag. Trotzdem bleiben Ziele in vielen Organisationen erstaunlich vage.
„Innovativer werden“, „effizienter arbeiten“, „datengetriebener entscheiden“ – das klingt plausibel, bleibt aber folgenlos.
Strategische Klarheit entsteht erst, wenn Ziele konkret werden.
Umsatzwachstum. Kostenreduktion. Time-to-Market. Kundenbindung. Produktqualität.
Und genauso wichtig: der Zeithorizont.
Kurzfristige Effizienzgewinne folgen anderen Logiken als mittelfristige Wachstumshebel oder langfristige Transformation.
Wer das nicht trennt, erzeugt falsche Erwartungen – im Management wie in den Teams.
KI ohne klar definierte Ziele wird schnell zum Selbstzweck.
KI mit klaren Zielen wird steuerbar.
Die dritte Frage entscheidet über Wirkung:
In welchen Wertschöpfungsbereichen und mit welchen Use-Cases setzen wir KI ein?
Viele Organisationen machen hier denselben Fehler: Sie wollen alles gleichzeitig.
Marketing, Vertrieb, Service, HR, Finance – überall gibt es Ideen, überall gibt es Potenziale.
Strategisch sinnvoll ist das selten.
KI entfaltet ihren Hebel dort, wo drei Faktoren zusammenkommen:
Das bedeutet zwangsläufig Priorisierung.
Und auch bewussten Verzicht.
Eine gute KI-Strategie beantwortet nicht nur, wo KI eingesetzt wird.
Sondern auch, wo vorerst nicht.
Diese Fokussierung reduziert Komplexität, beschleunigt Lernen und schafft erste sichtbare Ergebnisse.
Die vierte Kernfrage wird oft unterschätzt:
Welches Operating Model braucht KI in unserem Unternehmen?
Viele KI-Initiativen scheitern nicht an Technologie, sondern an Organisation.
Ein tragfähiges Operating Model klärt drei Dinge:
Ohne diese Klarheit lässt sich KI nicht skalieren.
Mit ihr wird KI beherrschbar.
KI-Strategie ist kein Papier.
Kein Zielbild.
Kein Framework.
Sie ist die Summe einiger weniger, klarer Entscheidungen.
Wer diese vier Fragen sauber beantwortet, schafft Orientierung – für das Management, für die Organisation und für alle weiteren Schritte.
Und genau darin liegt der eigentliche Hebel von KI-Strategie.